Antigone Illustration
Ivo Lederer: Antigone

Eine Gestalt tritt aus dem Schloss heraus,
Dort liegt bewacht von grimmigen Wachen,
Ihr Bruder, und sie ist darauf aus,
Sich an dem Toten zu schaffen zu machen.
,,Nicht einmal Kreon kann es mir verbieten’’,
So denkt sie und geht mutig hin,
,,Um dem die letzte Ehre zu erbieten,
Das Gesetz der Götter stell ich über ihn!’’

So nimmt sie eine Hand voll Erde,
Und streut sie auf des Toten Haupt,
Dessen Gesicht, von Verwesung entstellt,
Eine ungewöhnliche Schönheit enthält,
,,Leider kann ich dich nicht begraben,
,,Als Ersatz sollst du dies haben.’’
Auf dass er Frieden finden werde,
Im Jenseits, vor den Göttern auch.

Doch ach so schnell wird sie entdeckt,
König Kreon, tobend und schäumend vor Wut,
Allzu gerne hätte er die Tat vorm Volk versteckt,
Das nun auf die Straßen geht und ruft,
Dass Antigone eine Heldin, doch absolut,
Ist Kreons Macht, voll Spannung die Luft,
Er explodiert, kaum ist die Abtrünnige in Sicht,
Dass eine Frau ihm spottet, akzeptiert er nicht.

,,Wie konntest du es wagen?’’
Gegen meinen Willen ganz,
Du musst verstehen, ich kann als König nicht versagen,
,,Nur wer die eigenen Gesetze achtet, kann’s,
Das Volk beherrschen, ist die letzte Instanz’’,
,,Das ist mir ganz klar, doch ich bereue die Tat nicht,
,,Meinen Bruder zu schänden, steht Euch nicht.’’
Wenn es ihm schlecht geht, sind wir die Schuldigen,
Wir müssen den Göttern gehorchen, denen wir huldigen.’’

,,Mädchen, du sprichst ohne Verstand!
Die Macht über alles halte ich in der Hand.
Was sollte ich die Götter fürchten, sie nicht zu verehren,
Wird mir im Jenseits vielleicht einen Nachteil bescheren,
Doch Gesetz ist Gesetz und Staat ist Staat,
Was du begangen ist klarer Verrat,
Drum bereue die Tat.
Ich will dich nicht töten,
,,Doch steck ich in Nöten.’’
Nicht einmal Mitglieder aus dem Königshaus,
Winden sich aus den Fängen des Gesetzes heraus.’’
Als Kreon droht, sie zu exekutieren,
Will Ismene die Schwester nicht verlieren,
Sondern zusammen mit ihr, gemeinsam sterben,
,,Liebste Schwester, was soll nun mit dir werden?
Hab ich dich anfangs aus Angst nicht unterstützt,
So hat es mir letztendlich nichts genützt.
Wenn du stirbst, so nehmt auch mir das Leben,
Eine Welt ohne Antigone kann es nicht geben.’’

Kreon ist in einer Zwickmühle,
In ihm häufen sich verschiedene Gefühle,
Das Volk, das schamlos ihn bedrängt,
Antigone, die wie an einem seidenen Faden hängt,
Fängt just da schon wieder an, ihm zu spotten,
Der Götter-, Ehrlose, soll er doch verrotten,
Das ist zu viel, er beschließt, sie einzumauern,
Soll sie doch sterbend in einer dunklen Ecke kauern.

Als Haimon, Antigones künftiger Gemahl,
Davon erfährt, fleht er seinen Vater an,
Er habe seiner Braut ein Unrecht getan,
Doch der grausame Kreon stellt ihn vor die Wahl,
Zu bleiben und die Disputin sterben zu sehen,
Das ist zu viel für den verzweifelten Sohn,
Ohne sich umzudrehen, muss er gehen,
Der Vater hat für ihn nichts als Hohn.

Dann, nachdem ihm sein Sohn weggelaufen,
Was das Volk erschüttert und überrascht,
Beschließt er mit unglaublicher Hast,
Andauernd will er sich die Haare zerraufen,
Antigone freizulassen aus ihrem Verlies,
Doch dann passiert etwas, was ihn sehr verdrießt,
In der Kammer nahm sie sich selbst das Leben,
Hätte der König ihr nur früher vergeben!

Haimon, als er es erfuhr, nahm
Sich auch seins und als Kreon meint,
Es könnte nicht schlimmer kommen,
Einen lauten Schrei er vernommen,
Der Diener ratlos, die Königin tot,
Kaum hatte er den Tod seines Sohnes beweint,
Ratlos, weil das alles so überraschend kam,
Bereut Kreon seine Schärfe und das Verbot.
,,Wie kann einem Menschen so viel Unglück passieren,
Alle seine Lieben auf einmal zu verlieren?’’

Dem Schicksal ist nun einmal nicht beizukommen,
Niemand kann dem ihm bestimmten Weg entkommen.

19. Februar 2017


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