Slavica Rajic – freier fall

du fällst

 

und danach?

 

du stehst auf und die Welt ist dir zur Gewohnheit geworden

hast es aufgegeben

und du fragst dich, was das alles soll

und du fragst dich, was das alles hätte werden sollen

und die Frage nach dem, was das alles werden soll, hast du aufgegeben

 

und ich weiß es, ich weiß es viel zu genau

 

ich sehe doch noch immer die Tränen auf deinen Wangen, wie auf einer Karte

 

ich konnte nur mit ansehen, wie ich alles anhalten wollte

mittendrin

früher

Ich konnte nur mit ansehen, wie du es am wenigsten warst

wie früher

 

danach

damals

du sagst, du vermisst nicht die Zeiten, du vermisst nicht dich selbst

du vermisst alles, was nicht Hier und Jetzt ist

 

einst war ich ein Hals über Kopf

deine Hoffnung in Gewöhnlichem und

um dich herum

 

eine Hoffnung in dich selbst

 

immer, wenn du gelacht hast, wusste ich, du warst am glücklichsten

immer, wenn du gelächelt hast, wusste ich, du warst am fröhlichsten

 

immer, wenn du geweint hast, wusste ich, du warst am hoffnungsvollsten und

immer, wenn du aufgegeben hast, wusste ich, du warst am stärksten

 

von allen

 

wir drehten uns – zerstörten alles, nur nicht uns selbst

 

deine Worte waren Balsam und deine Stimme war Honig

aus deinem Mund triefend

über deine sanften Lippen

 

geronnen

 

über meine Wunden

versiegelt

du gibst und gibst

 

 

 

einst war ich dein Hals über Kopf

dann fielst du nochmal – und ich fiel mit dir

 

nun liegst du am Boden

 

und ich falle weiter

20. November 2017


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