Emil S. – Inversio

Eine weite Wiese, hoch gewachsene Halme, schon vereinzelt beschlichen von Tau, obgleich noch tiefe Nacht, weil schon frostklirrende, winterlich geschwängerte Luft herbeigezogen, die bisher unverzagte Blüten überfällt. Dort wandeln, eine sanfte Erhebung hinüber und solides Terrain vorfinden, nachdem mit gehobenem Tritte Morastiges durchstrichen. Darin sich einfügen, also rücklings betten, sich zusammenziehen, einen Schauder empfinden, ertappt, weil gleichsam überfallen, verriegeln und einrasten, froststarr und steif. Hinauf ins Unermessliche starren, in den ungetrübten Glast der Gestirne, mit abgelegtem Auge, ebendort fixiert.

Unvermittelt dann die jähe Verwandlung des Blickes, herab auf unbändige Lichter einer Großstadt, schwerelos in unbestimmter Sphäre. Die Umkehrung der Perspektive, nicht Teilhaben, heimkehren, hin zu einem behüteten Betrachten bloß, nicht Werden, nur mehr Sein. Es ist dies das geläuterte Beobachten, frei von Begleitumständen, rein und unverfälscht, eine Wahrheit also; so in die Straßenschluchten jener Stadt blicken und wahrnehmen:

Inmitten dieses betörenden Betongartens waltet eine Gewohnheit, die hier in jedem wie ein Gesell haust, mit welcher man jedoch fahl wird und ermattet. Es giert nach dem Unwillkürlichen, das nachtwandlerisch macht und einen in vorausgedachten Pfaden schreiten lässt, wie in einer Duldungsstarre.

Als Wehklage über diesen fortdauernden Zustand der Entrückung stellt sich dann und wann jener kausale Moment ein, der wahrhaftig ist und aufrichtig und immer das Absurde zu Tage bringt. Unversehens wie jener Ruf des Inneren hallt, verklingt er auch wieder und taucht hinab, zurück in die Tiefen der Abgründe. Zuletzt bleibt nur noch ein merkwürdiger Deutungsversuch, eine seltsame Ahnung und der Satz, der in einem denkt: „Irgendwas war da mal.“

19. März 2018


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